Seelsorger der evangelischen Christen von Stierstadt und Weißkirchen (ab 1948)

1948 - 1955 Evangelische Kirchengemeinde Oberursel
1955 - 1992 Evangelische Kirchengemeinde Weißkirchen-Stierstadt
ab 1992 Evangelische Versöhnungsgemeinde Oberursel (Kirchengemeinde für Stierstadt und Weißkirchen)

Pfarrer Karl Zöllner 1948 – 1956
Pfarrer Erich Kluska 1953 – 1956
Pfarrer Martin Knolle 1956 – 1966
Pfarrvikar Günther Hahn 1966 - 1968
Pfarrer Jürgen Schwarz 1968 – 1976
Pfarrer Dr. Konrad Elsässer 1976 – 1980
Pfarrer Bedrich Šurman 1981 – 1988
Pfarrer Ralf-Andreas Gmelin 1988 – 1995
Pfarrer Matthias Fritsch 1990 – 1993
Pfarrerin Elke Neumann-Hönig 1995 – 2002, 2003 – 2007 und ab 2015
Pfarrer Hans-Ulrich Reitzel 1996
Pfarrer Jörg Oeding 1996 – 2003
Pfarrer Klaus Hartmann ab 2003

Chronik, Bild- und Presse-Dokumentation

Die Chronik der Evangelischen Versöhnungsgemeinde Oberursel (ab 1948) und eine Bild- und Presse-Dokumentation der Evangelischen Versöhnungsgemeinde Oberursel (ab 1955) können im Gemeindebüro während der Bürozeiten eingesehen werden.

Die Chronik und die Bild- und Presse-Dokumentation (Chronist bis 2007 Dr. Friedrich W. Kaufmann, danach Bernd Storch) werden jährlich im Frühjahr aktualisiert.

Geschichte der Versöhnungsgemeinde (1955 - 2003)

Unsere Kirchengemeinde hat eine noch relativ junge Geschichte, zumal gegenüber den Jahrhunderte alten Nachbargemeinden St. Sebastian in Stierstadt und St. Crutzen in Weißkirchen oder in Oberursel. Sie wurde erst am 1. Oktober 1955 gegründet für die seit dem 2. Weltkrieg steigende Zahl evangelischer Einwohner in unseren beiden, damals noch selbstständigen Dörfern im Rahmen des regionalen Neubürgerzustromes, anfangs durch „Ausgebombte“ aus den Großstädten, Flüchtlinge und Heimatvertriebene, dann mit dem wirtschaftlichen Aufschwung im Umfeld der Mainmetropole Frankfurt und wachsenden Neubaugebieten.

An einen monatlichen Zugang von etwa 50 neuen Mitgliedern in der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Oberursel, die damals auch Stierstadt und Weißkirchen einschloss, erinnerte sich Pfarrer Zöllner in jenen 50er Jahren. Damit wurde für die beiden Oberurseler evangelischen Pfarrer die pfarramtliche und seelsorgliche Mitbetreuung der Gemeindemitglieder in Stierstadt und Weißkirchen zunehmend schwieriger. Auf Vorschlag des Oberurseler Kirchenvorstandes beschloss deshalb unsere Evangelische Kirchenleitung in Darmstadt am 27.6.1955 die Verselbständigung der evangelischen Kirchengemeinde Stierstadt – Weißkirchen.

Es wurde ein mühevoller Beginn für die neue, damals etwa 800 Mitglieder zählende, von ihrer sozialen Struktur her eher ärmliche Diasporagemeinde im - mit Ausnahme eines historisch interessanten, evangelischen Intervalls nach der Reformation bis 1604 - seit Generationen traditionsgewachsenen, katholischen Umfeld. Die Errichtungsurkunde der Kirchenleitung und ein leeres Baugrundstück, das z.T. mit noch aufzubringenden Eigenmitteln finanziell abgelöst werden musste, waren praktisch die einzige „Mitgift“ für den Start. Es fehlte zunächst an allen Einrichtungen einer selbstständigen Gemeinde, insbesondere an einem eigenen Versammlungsraum, Gottesdienstgerät und einer eigenen Pfarrstelle. Daher blieb es zunächst bei monatlich zwei Behelfgottesdiensten abwechselnd in den Schulräumen von Stierstadt und Weißkirchen. Weil es dort an Stühlen mangelte, mussten sich Gottesdienstbesucher z.T. auf Schulpulte setzen oder in die engen Schulbänke zwängen, auf die Taufeltern auch ihr Kind legten. Als Taufbecken diente ein von einem Kirchenvorsteher zur Verfügung gestellter Porzellanteller. Es gab kein Begleitinstrument für den Gemeindegesang. Die neu gegründeten Gemeindegruppen, wie Frauenhilfe, Bibelgruppe, Männerarbeit mussten sich in Gasthäusern treffen, oft gestört von Lärm aus dem Schankraum. So berichteten alte Gemeindemitglieder sowie Pfarrer Martin Knolle, der neben seiner gerade neu übernommenen Pfarrstelle in Steinbach bald zusätzlich auch unsere Gemeinde betreute und dann auch offiziell bis 1966 als „Filialgemeinde“ von Steinbach leitete.

Pfarrer Knolle hatte zuvor aus politischen Gründen mit seiner großen Familie die DDR verlassen müssen, wo er eine große diakonische Einrichtung - das „kleine Bethel“ - geleitet hatte. Mit seinem hohen Engagement galt er als „ein Pfarrer aus Urgestein“ und wurde auch zum Segen für unsere Gemeinde. Seiner Energie, Beharrlichkeit und Überzeugungskraft ist auch schließlich die Durchsetzung unseres Gemeindehausbaues bei der Kirchenverwaltung nach immer wieder enttäuschenden Verzögerungen zu verdanken, wobei er aber auch unserer jungen Gemeinde „viel Aktivität und Opferbereitschaft“ attestierte. Drei Jahre nach Gemeindegründung konnte endlich im Oktober 1958 der Grundstein gelegt und am 6.12.1959 der mit 208.000 DM Gesamtkosten errichtet Neubau feierlich eingeweiht werden, verbunden mit der Weihe der von den bürgerlichen Gemeinden Stierstadt und Weißkirchen gestifteten 98 kg. schweren, auf ein hohes Fis gestimmten Bronzeglocke. Da der Dachglockenstuhl wegen statischer Defekte abgetragen werden musste, läutete sie seit 1989 vom eigens errichteten Glockenträger vor unserem Kirchenbau vorn an der Weißkirchener Straße.

Die Gemeinden St. Sebastian und St. Crutzen schenkten uns das schöne Messingaltarkreuz mit feiner Weinrebenziselierung. Das war damals ein herausragendes Zeichen ökumenischer Verbundenheit und - wie Pfarrer Knolle 1960 schrieb - „in der Diaspora ... wohl seit Luther einmalig“. Seit 1957 hatten uns beide Gemeinden auch schon Gottesdienstgastrecht in ihren damals noch genutzten, alten Kirchen gewährt, wenn auch vor dem geweihten Altarraum, wie Frau Knolle erinnerte. Seither hat sich die ökumenische Zusammenarbeit unserer Kirchengemeinden auf allen Ebenen hervorragend weiterentwickelt und erscheint fast selbstverständlich. Ökumenische Gottesdienstfeiern haben feste Termine und unser Chor vereint Sängerinnen und Sänger aus allen drei Ortsgemeinden. Zu den ersten Amtshandlungen in unserem damals neuen Kirchenraum gehörte auch die Trauung eines konfessionsverschiedenen Ehepaares. Diese haben inzwischen in allen Ortsgemeinden einen hohen Anteil erreicht.

Das eigene evangelische Gemeindezentrum schuf erst die Möglichkeit, dass die inzwischen rund 1150 Gemeindemitglieder, die in unseren beiden, auch baulich noch längst nicht so zusammengerückten Dörfern wohnten und deren Zahl stetig zunahm, nun wirklich zu einer echten Gemeinde zusammenfinden und ein gemeinsames Gemeindeleben auch mit Jugendgruppen, Gemeindeabenden und Festen entwickeln konnten. Nach und nach wurde die Ausstattung ergänzt. Ein besonderes Ereignis wurde die Orgelweihe 1964. Die Kosten von 16.147 DM wurden überwiegend aus Spenden und Sammlungen aufgebracht.

Elf Jahre nach der Gründung hatten auch die konsequenten Bemühungen des Kirchenvorstandes um eine eigene Pfarrstelle Erfolg, zunächst mit der Errichtung einer Pfarrvikarstelle zum 1.10.1966, die aber nach zwei Jahren, ab 1.10.1968 in eine eigene Pfarrstelle umgewandelt wurde. Die Zahl der Gemeindemitglieder hatte sich inzwischen seit der Gemeindegründung auf 2.700 mehr als verdreifacht. Die Aufhebung der pfarramtlichen Verbindung mit Steinbach 1967 brachte unserer Gemeinde auch endgültig die volle Selbständigkeit.

Unser erster eigener Seelsorger wurde Pfarrvikar Günther Hahn. Er richtete eine Diakoniestation ein mit Gemeindeschwester Rauha Steinz, die 1978 in die neugeschaffene Ökumenische Sozialstation Oberursel integriert wurde. Dem Engagement von Pfarrer Jürgen Schwarz als erstem Inhaber der Pfarrstelle verdanken wir auch die Realisierung der Evangelischen Kindertagesstätte „Tausend-Füßler“ an der Karlsbaderstraße. 1972/73 wurde sie von der Stadt als Pächter auf unserem Gemeindegrund erbaut und wird seither von unserer Gemeinde betrieben. 1976 wurde eine erste Hortgruppe eingerichtet. Eine weitere Entwicklung waren die Eingangsstufengruppen zur Ganztagsbetreuung der Vorschulkinder. 1984/85 ließ sich auch der lang zurückgestellte Pfarrhausneubau verwirklichen. Pfarrer Surmann’s Bernhardinerhündin Anka gab dafür den Ausschlag, weil ihre Größe den Einzug in die bislang gemietete Pfarrwohnung verhinderte. Gleichzeitig wurden die Raumverhältnisse im Gemeindehaus durch einen Anbau erweitert.

Bislang erlebte unsere Gemeinde sechs eigene Gemeindepfarrer und vier Pfarrer, bzw. mit Frau Elke Neumann-Hönig erstmals auch eine Pfarrerin, auf der erstmalig 1988 besetzten 2. Seelsorgerstelle die (mit 2/3 Dienstauftrag) 1986 wegen des Gemeindewachstums auf weit über 3000 Mitglieder eingerichtet worden war. – Inzwischen ist die Zahl im Rahmen der allgemeinen Kirchenaustrittswelle sowie einer strukturell veränderten Bevölkerungsfluktuation wieder auf 2.700 abgesunken. – Alle Pfarrer haben in ihrer jeweils eigenen Weise mit unterschiedlichem Erfahrungsschatz, Akzent- und Schwerpunktsetzungen als Prediger, Seelsorger oder in den weiteren Feldern der Gemeinde-, besonders auch der Jugendarbeit dem Gemeindeleben immer wieder neue Impulse gegeben, sowie erweiterte Glaubenseinsichten vermittelt. Auch der Kirchenvorstand gewann nicht zuletzt aus den besonderen Anforderungen in Zeiten von Pfarrervakanz oder Krankheit wachsende Kompetenz. Über zwei volle Amtsperioden und mehrfach zwischenzeitlich führte ein Laiengemeindeglied den Vorsitz in der Gemeindeleitung.

1992 feierten wir nach Zustimmung der Kirchenleitung die Umbenennung in „Versöhnungsgemeinde Oberursel“, Kirchengemeinde für Stierstadt und Weißkirchen. Die Namenswahl soll, wie schon unser Gemeindebrief „die brücke“, das aus der besonderen Lage und Entwicklung unserer Gemeinde gewachsene Anliegen und Auftragsverständnis zur Versöhnung, zur Vermittlung und zum Brückenschlag zwischen Menschen in unseren beiden Stadtteilen, ihren unterschiedlichen Konfessionen, Positionen etc. zum Ausdruck bringen. Daraus folgt auch unser Engagement für ökumenische Entwicklungen sowie die Teilhabe am kommunalen Geschehen. So ist unsere Gemeinde auch im Vereinsring vertreten, beteiligt sich an den örtlichen Adventsmärkten und Festen, wie etwa bei der 1250 Jahrfeier von Stierstadt gemeinsam mit St. Sebastian am „ökumenischen“ Weinstand und im Festwagen. Beispielhaft erinnert sei auch an Pfr. Schwarz’s „Schmidtstock-Spielplatz-Initiative“, Pfr. Gmelins Einrichtung des für alle Jugendlichen offenen Jugend-Cafes „don camillo“ oder auch an den von unserem letzten Gemeindepfarrer Jörg Oeding initiierten „Christlich-Islamische Gesprächskreis“ als Beitrag zum Abbau politischer Spannungen durch besseres Verstehen lernen.

2003 wurde unsere ganze Pfarrstelle erneut vakant und sind wir seit Ostern wieder ohne eigene Kirche und Gemeinderäume, weil unser altes Gemeindezentrum wegen nicht mehr effizienter Sanierungs- und Erweiterungsmöglichkeiten nach Abriss neu gebaut werden muss. Durch Verkaufserlös aus unserem Gemeindegrundstück im Mauerfeld wurde das möglich. Wir erleben also wieder eine Phase des Neubeginns – fast wie am Anfang. Seit Januar 2003 arbeitet Pfr. Klaus Hartmann in unserer Gemeinde. Kurz vor Weihnachten wurde er vom Kirchenvorstand zum Nachfolger von Pfr. Jörg Oeding gewählt und ist ab 01. März 2004 Inhaber der Pfarrstelle Versöhnungsgemeinde Stierstadt-Weißkirchen. Zum anderen dürfen wir die großzügige Gastfreundschaft in den Kirchen und Räumen unserer katholischen Schwestergemeinden St. Sebastian und St. Crutzen in Anspruch nehmen und wissen uns angenommen und verankert in unseren Stadtteilen. Das war auch bei der Grundsteinlegung für unseren Neubau sowie der herzlichen Verabschiedung von Pfarrer Jörg Oeding im Pfarrheim von St. Sebastian wieder spürbar. Unsere Gemeindearbeit läuft also weiter, mit Gottes Segen hoffen wir etwa ab Pfingsten 2004 mit unserem fertiggestellten, neuen Gemeindezentrum auch wieder sichtbar in voller Funktion vor Ort präsent zu sein.


Dr. Friedrich Kaufmann
Ehem. Kirchenvorsteher
Stand: Beginn 2004
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